Die meisten Unternehmer wünschen sich eine langfristig erfolgreiche Geschäftslage. Diese selbst beeinflussen zu können, gibt Sicherheit und stärkt das Vertrauen auch auf Seiten der Mitarbeiter. Um nachhaltigen Unternehmenserfolg zu erreichen, müssen wir uns zuerst anschauen, was das im einzelnen bedeutet und wie das große Gesamtbild aussehen soll. Die allgemeine Wirtschaftslage ist immer dynamisch und entzieht sich weitgehend der Kontrolle durch einzelne Akteure. Was wir jedoch beeinflussen können, neben einem soliden und gut strukturierten Angebot, ist wie wir unser Unternehmen leiten und wie wir mit unseren Ressourcen und Mitarbeitenden umgehen.
Die erfolgreichste Geschäftsstrategie verpufft, wenn durch ständige Mitarbeiter-Fluktuation Unruhe in die Abläufe kommt, Arbeit liegen bleibt und wichtiges Wissen fortlaufend das Unternehmen verlässt und somit schwächt. Wenn Krankheitsausfälle nicht nur die Kosten-Nutzen-Rechnung aus dem Gleichgewicht bringt, sondern auch die übrigen Mitarbeitenden zu Mehrarbeit zwingt und dadurch schlechte Stimmung entsteht.
Gerade deshalb ist es wichtig, seinen Mitarbeitern Wertschätzung zukommen zu lassen. Ein Mitarbeiter, der sich gesehen und geschätzt fühlt, ist durchaus bereit in Krisensituationen eine Extrameile zu gehen, Überstunden zu leisten und ggf. auch in einem Aufgabengebiet auszuhelfen, das üblicherweise nicht seiner Gehaltsstufe entspricht. Einfach weil das Prinzip “eine Hand wäscht die andere” stärker wirkt als eine Befehlskette es je könnte.
Wer Führung mit einem Kommandostab verwechselt, der wird sehr schnell lernen, dass er am kürzeren Hebel sitzt, wenn der Leidensdruck bei seinen “Untergebenen” zu groß wird. Sobald ein Mensch nichts mehr zu verlieren hat, wird er nicht davor zurückschrecken die Situation zu verlassen.
Was hier sehr überspitzt klingt, ist in Wahrheit gar nicht so weit weg von alltäglichen Arbeitssituationen. Steter Tropfen höhlt den Stein und wer seine Mitarbeiter nicht vor den Folgen der Arbeitslast schützt, begeht einen beinahe fahrlässigen Verrat an ihrer Treue. Es wird immer ein wenig heruntergespielt und verharmlost aber die psychische Gefährdung am Arbeitsplatz steigt seit Jahren unaufhörlich und psychische Erkrankungen werden perspektivisch die Rückenschmerzen als zweithäufigste Ursache für Krankheitsausfälle bald ablösen. (Quelle: Kurzstudie DAK 2024).
Deshalb sind Unternehmer gut beraten sich Gedanken zu machen, wie sie ihren Mitarbeitenden die nötige Wertschätzung entgegenbringen können um einerseits wichtige Kompetenz und Wissen im Unternehmen zu halten. Aber auch um andererseits den großen Aufwand der Mitarbeitergewinnung überschaubar zu gestalten. Wer in die vorhandene Belegschaft investiert fährt langfristig immer günstiger als Neuzugänge zu rekrutieren.
Und obwohl eine gute Bezahlung selbstverständlich sein sollte und Lohnerhöhungen ein gewisser Motivator sein können, sollte Wertschätzung nicht nur monetär gezeigt werden. Der vielbeschriebene und in der Vergangenheit auch oft belächelte Obstkorb ist hierbei auch nicht gemeint. Es geht um das zeigen von Verantwortung für die Bedürfnisse und das Wohlergehen der Mitarbeiter sowie das zeigen von Respekt für die Lebenszeit, die Mitarbeitende in Unternehmen verbringen. Wenn diese Lebenszeit angenehmer gemacht wird, dann kann diese Art der Wertschätzung eine viel größere Wirkung erzielen, als mehr Gehalt es je könnte.
Dies kann durch eine durchdachte Arbeitsplatzgestaltung aber auch durch eine individuelle und umfassende Gesundheits- und Altersvorsorge geschehen. Und bevor jetzt alle wieder die Augen rollen und denken “das machen wir ja schon längst” weil sie ihren Mitarbeitern eine Massage in der Mittagspause und einen Yogalehrer bezahlen. Oder die VWL in einen Riestervertrag einzahlen, möchte ich hier noch einige interessantere Optionen aufzeigen.
Hierfür habe ich mir zu diesem Blogartikel eine Expertin in Finanz-Fragen dazu geholt. Laura Daba ist Finanzberaterin und hat es sich zur Aufgabe gemacht Unternehmer nicht nur bei ihren persönlichen Finanz- und Investment-Fragen zu begleiten, sondern auch die Unternehmen im Bereich Mitarbeiterbindung solide aufzustellen.
Im Verlauf dieses Artikels werden wir also aus zwei unterschiedlichen Perspektiven die Möglichkeiten aufzeigen, die eine bessere Wertschätzung und somit eine effektivere Mitarbeiterbindung erzeugen können. Die folgenden Abschnitte werden womöglich deine Sicht auf Arbeitsplätze ändern und das Verständnis für nachhaltige Mechanismen zur Stärkung der Mitarbeiterzufriedenheit aufzeigen.
Also lies bitte nur weiter, wenn du bereit bist dem Problem ins Auge zu schauen und dich proaktiv für eine Verbesserung der Wertschätzung deiner Mitarbeitenden einsetzen möchtest.
Was bisher Standard ist und wie wir es noch besser machen
Nun kann man natürlich den einfachen Weg gehen und sagen “dafür gibt es ja Arbeitsschutzgesetze und Arbeitsstättenrichtlinien sowie gesetzliche Vorgaben zur Vorsorge und Sozialleistungen”. Und das stimmt auch aber diese bilden eine Mindestbasis für die Beschäftigung von Menschen in einem Unternehmen. Das traurige ist, dass es diese Vorgaben braucht, weil es auch viele Unternehmen gibt, die selbst diese Basisleistung noch locker unterbieten würden und dieses Minimum nur zu gerne als Einladung zu einem Limbo-Contest werten würden. Außerhalb Europas erleben wir das ja auch häufig in schockierendem Ausmaß.
Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass dir das bewusst ist und du nicht zur Gattung Unternehmer gehörst, die mit diesem Mindeststandard ihre Pflicht bereits als erfüllt betrachtet. Sondern ich nehme an, dass du ein aufrichtiges Interesse daran hast, dein Unternehmen mit außergewöhnlichen Maßnahmen zu außergewöhnlichem und nachhaltigem Erfolg zu führen.
Also wie können wir den Standard, der in vielfältigen Gesetzen und Vorschriften sowie Richtlinien bereits definiert ist verbessern? Beziehungsweise wo greifen diese Standards zu kurz? Denn sind wir ehrlich, kaum ein Arbeitsplatz ist stärker reglementiert als ein deutsches Büro. Von der Lichtstärke über höhenverstellbare Schreibtische bis hin zur Kaffeemaschine und der Breite der Flucht- und Rettungswege, gibt es ja für alles eine DIN oder ein Regelwerk, das besagt wie etwas zu sein hat. Das sind in den meisten Fällen auch sinnvolle und brauchbare Vorgaben. Und doch greifen diese oft nicht alles auf.
Bestes Beispiel aus meinem therapeutischen Alltag als Manual-Therapeutin mit Schwerpunkt Halswirbelsäule und Kiefer. Ich behandle immer wieder Menschen mit Schulter-Nacken-Beschwerden, die klassischerweise im Büroumfeld arbeiten. Fragt man diese nach ihrer Arbeitsplatzgestaltung hört man oft das selbe: “äh ja höhenverstellbaren Schreibtisch hab ich. Bürostuhl ist auch sehr gut und eine Ergonomie-Schulung haben wir auch bekommen”. Aha… das sollte ja dann theoretisch dazu führen, dass die Problematik einer Schulter-Nackenverspannung bzw. schlimmer noch einer durch die Arbeit verursachten Wirbelsäulendiagnose, die dann zu Krankheitsausfall führt, erst gar nicht auftreten kann.
Mir ist klar, dass es durchaus ein multifaktorielles Geschehen ist und nicht alles auf die Arbeit geschoben werden kann. Aber sie macht nun mal einen Großteil unserer täglichen Beanspruchung aus. Und dieses Beispiel zeigt mehr als deutlich, dass eine rein nach Vorschrift gestaltete Arbeitszone das Problem nicht ausreichend würdigt.
Der Mensch mit seiner komplexen Physiologie und Psychologie ist kein Fixum, das man in ein Regelwerk stecken und nach Schema F abarbeiten kann. Keine Maschine, die einfach nur genug Öl und Strom braucht um gut geschmiert und energiegeladen zu funktionieren.
Mitarbeiter bringen ihre Bedürfnisse und ihre mentale Situation mit an den Arbeitsplatz. Und auch wenn häufig so getan wird, als könnten Diese einfach morgens an der Eingangstür zum Arbeitsplatz abgegeben und abends bei Feierabend wieder mitgenommen werden, so sieht die Realität eben anders aus.
Ein Ansatz um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden, kann sein den Arbeitsplatz weniger technisch zu gestalten. Die Berücksichtigung von angenehmen Materialien und Farben, die Anwesenheit von Pflanzen und Kunst (Gute, Angenehme Kunst, nicht zwangsläufig eine teure Sammlung finsterer Kriegsschauplätze oder Renaissancegemälde. Oh Boy habe ich da schon Dinge gesehen.). Aber auch die Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Mitarbeiter an Ruhe und Austausch sind wichtig. Nicht jeder schätzt permanente Verfügbarkeit der Kollegen für eine Unterhaltung. Introvertierte Menschen haben eine andere Reizschwelle als Extrovertierte. Ebenso haben Aufgabenbereiche unterschiedliche Anforderungen an die Raumgestaltung. Kollaborative Prozesse und kreative Entwicklungsarbeit braucht eine andere Umgebung als analytische, datenbasierte und hochkonzentrierte Stillarbeit.
Auch Mitarbeiteraufenthaltsbereiche sind häufig eher eine rein funktionell gedachte Einheit und haben wenig mit echter Erholungsqualität für Pausen zu tun. Deshalb lohnt sich auch hier ein genauerer Blick auf die Gestaltung. Denn wenn Mitarbeiter in ihrer Pause keine Erholung finden können, sondern nur die dringendsten Grundbedürfnisse stillen (Essen, Trinken, WC-Gang), dann leidet langfristig nicht nur die Motivation, sondern auch die Leistungsfähigkeit. Echte Ruheräume und ein Platz um Abzuschalten ist sehr wertvoll und häufig einfacher zu realisieren als angenommen.
Erst wenn diese Dinge berücksichtig werden, können wir von einer adäquaten, menschengerechten Umgebung sprechen. Über Artgerechte Tierhaltung machen wir uns ständig Gedanken. Warum sprechen wir so selten über artgerechte Menschhaltung?
Was ebenfalls reglementiert ist, sind die Sozialabgaben für Mitarbeitende, die ihnen ein Mindestmaß an finanzieller Absicherung bieten wie ALV, KV und Rentenbeiträge.
Laura Daba:
Diese Abgaben, die sowohl vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber getätigt werden reichen jedoch in den meisten Fällen gar nicht aus. Unser Soziales System ist auch nicht dafür gemacht (nicht mehr), um jeden aufzufangen wenn der nicht mehr kann, sondern nur um den Fall abzumildern. Wie hart der Fall wird, darf jeder Mensch in dieser Gesellschaft selbst bestimmten. Man könnte sich jetzt über dieses Stückchen Selbstbestimmtheit freuen, aber wenn man genauer hinschaut, dann empfinden es die meisten Bürger eher als Belastung.
Denn besonders zu Zeiten wirtschaftlicher Engpässe im Land, während derer die Abgaben immer höher werden und sich die Nettolöhne dadurch nicht nur weiter verschmälern, sondern auch vom Geldwert her immer geringer werden, kämpfen die meisten Menschen in erster Linie darum die Basics zu bewältigen und schaffen es nicht mehr über “Worstcase Szenarien” nachzudenken. Die meisten Menschen erleben nämlich bereits eines.
Und gerade für solche Situationen wurden für Arbeitgeber Möglichkeiten geschaffen, ihre Mitarbeiter gezielt zu unterstützen. Früher war das jedoch oft eher ein Tropfen auf den heißen Stein, denn über Essensgutscheine oder vermögenswirksame Leistungen konnte man meist nur einen kleinen Einfluss auf die Lebenshaltungskosten oder die Altersvorsorge nehmen. Viele Arbeitgeber wussten zudem gar nicht, was alles möglich ist, wenn der Steuerberater sie nicht aktiv darauf hingewiesen hat.
Heute ist das anders: Die Förderung von Mitarbeitern ist in vielen Bereichen nicht nur attraktiver geworden, sondern teilweise auch gesetzlich verankert oder verpflichtend geregelt.
Der Mehrwert, der dadurch geschaffen wird, ist enorm und kann die Mitarbeiterbindung deutlich stärker fördern als frühere Modelle. Und zwar so, dass Arbeitnehmer diesen Mehrwert entweder sofort spüren oder ihre Sorgen mit Blick auf die Zukunft reduziert werden, weil sie wissen, dass bereits etwas für ihre Absicherung und Versorgung getan wurde.
Ich spreche hier von zwei verschiedenen Versorgungssystemen, mit deren Hilfe Arbeitgeber ihre Mitarbeiter aktiv unterstützen und langfristig an das Unternehmen binden können: der betrieblichen Krankenversicherung (bKV) und der betrieblichen Altersvorsorge (bAV).
Wieso V W L und ein Obstkorb nicht ausreichen
Neben den gesetzlich verpflichtenden Absicherungen und Vorsorgeleistungen gibt es natürlich noch einige weitere Benefits die sich als Instrument zur Mitarbeiterbindung eignen.
Laura Daba:
1.BKV Bei dem ersten System sprechen wir von der betrieblichen Krankenversicherung, kurz bKV. Hier schließt der Arbeitgeber für jeden einzelnen Mitarbeiter eine Art Krankenzusatzversicherung ab. Die Mitarbeiter können innerhalb eines ausgewählten Jahresbudgets ihre Vorsorgeuntersuchungen, ihre Zahnarztbesuche und sogar ihre Heil- und Hilfsmittel vollständig über diese Versorgung bezahlen lassen.
Doch das ist nicht der einzige Vorteil: Bei jedem Versicherungsvertrag, der ein gesundheitliches Risiko absichert, wird in der Regel der aktuelle Gesundheitszustand abgefragt. Zusätzlich werden meist auch die Diagnosen der letzten fünf Jahre sowie anstehende Behandlungen berücksichtigt. Hat der Arbeitnehmer bereits eingetragene Diagnosen in seiner Akte oder stehen Behandlungen an, kann es passieren, dass dieser Mensch privat gar nicht mehr versicherbar ist. Jedenfalls für die nächsten Jahre nicht. Und um es wieder zu werden, dürfen meist auch keine neuen Einträge mehr folgen.
Viele Menschen denken, sie seien kerngesund. In der Regel sind sie es auch, jedoch sagt ihre Krankenakte manchmal etwas anderes. Hier kommen wir zu einer Schattenseite unseres Gesundheitssystems: Ärzte rechnen mit den Krankenkassen ab, und je mehr Diagnosen dokumentiert werden, desto mehr kann unter Umständen auch abgerechnet werden. Das soll ausdrücklich nicht pauschal für alle Ärzte gelten, aber leider häufen sich die Beispiele. Viele Versicherte wissen nichts von chronischen Erkrankungen oder psychischen Diagnosen und sind dahingehend auch nie behandelt worden, aber dennoch stehen solche Einträge in ihren Akten.
Das ist für viele meist ein Urteil, das sie kaum noch revidieren können und das sie deutlich schwerer versicherbar macht — und zwar in fast allen Bereichen, die mit Gesundheit zu tun haben. Privat können sich also viele weder die Absicherung leisten, noch kommen sie überhaupt rein. Mit der bKV wären diese Probleme nicht mehr vorhanden. Die Krankenzusatzverträge versichern alle Vorerkrankungen und anstehenden Behandlungen bis zu den abgesicherten Summen mit. Der Angestellte muss dafür selbst nichts bezahlen.
Und wenn der Arbeitgeber sich auch noch schlau anstellt, kann er das Ganze als Betriebsausgabe sowie lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei gestalten — als reinen Sachbezug. So kann der Mitarbeiter, wenn er bei der Zahnreinigung sitzt und diese erstattet bekommt, an seinen Arbeitgeber denken. Er ist einfach nur dankbar und fühlt sich wertgeschätzt, weil er hierfür keinen Cent zahlen muss.
Die bKV wird systematisch in der Firma eingesetzt, sodass sich der Arbeitgeber um nichts kümmern muss, außer die Lohnabrechnungen anzupassen. Die Aufklärung und Betreuung werden vom Betreuer übernommen. Das ist tatsächlich ein spürbarer Mehrwert, den der Arbeitnehmer wahrnimmt.
2.BAV Das zweite System, das man sich als Arbeitgeber anschauen sollte, wenn man für seine Mitarbeiter etwas Gutes tun will, ist die betriebliche Altersvorsorge. Zu Zeiten, in denen die Regierung über einen Renteneintritt mit 70 Jahren spricht und darüber, dass die gesetzliche Rente nur eine „Basisabsicherung“ ist, sollte man sich mehr denn je Gedanken um die Zukunft machen. Viele Menschen vergessen, dass man mit Renteneintritt nicht plötzlich kein Geld mehr braucht oder automatisch ausgesorgt hat, nur weil man irgendwann älter ist.
Im Gegenteil: Aufgrund des medizinischen Fortschritts und der steigenden Lebenserwartung ist absehbar, dass viele Menschen künftig deutlich länger im Ruhestand leben werden. Das heißt für viele: Nach Renteneintritt wird noch mindestens 25 Jahre, wenn nicht sogar 30 Jahre lang monatlich Geld benötigt.
Selbst eine Immobilie allein ist keine vollständige Altersvorsorge, da diese ebenfalls mit dir in Rente geht, instand gehalten und gepflegt werden muss. Wenn man diese Kosten nicht miteinkalkuliert, kann auch eine Immobilie im Alter schnell ein Loch in den Geldbeutel brennen. Von daher ist es unabdingbar, dass jeder Mensch zusätzlich etwas für seine Rente tun muss. Für viele bedeutet das, diese Beiträge aus ihrem Netto zu zahlen. Und genau das ist für einige schwer machbar, weil sie ohnehin nicht viel Netto zur Verfügung haben.
Und hier kommt die bAV ins Spiel: Hier können Arbeitnehmer Entgeltumwandlung betreiben und die Beiträge direkt aus ihrem Brutto zahlen. Durch die Senkung des Bruttos ergeben sich auch Ersparnisse im Bereich der Steuern und Sozialabgaben. Dadurch hat der Arbeitnehmer nicht den vollen Betrag, der aus dem Brutto entnommen wurde, weniger im Netto, sondern häufig nur ungefähr 60 % davon. Diesen Betrag muss der Arbeitgeber mit mindestens 15 % bezuschussen. Ich rate Arbeitgebern jedoch dazu, 20 % zu bezuschussen, denn auch er spart sich durch die Entgeltumwandlung Sozialabgaben. Wenn der Arbeitgeber nur die verpflichtenden 15 % weitergibt, bereichert er sich unter Umständen an einem Teil der Ersparnis. Und das sollte nicht das Ziel sein.
Als kleinen Geheimtipp, um wirklich ein Top-Arbeitgeber zu werden, kann ich noch den Festzuschuss mitgeben. Hier kann der Arbeitgeber einen Betrag seiner Wahl, zum Beispiel 50 bis 250 €, zusätzlich in die betriebliche Altersvorsorge des Angestellten zahlen. Für den Arbeitgeber fallen auf diesen Betrag keine zusätzlichen Sozialabgaben an, solange der bAV-Beitrag im gesetzlichen Freibetrag bleibt. Für ihn ist es eine reine Betriebsausgabe. Er kann sich hier also die Frage stellen: Gebe ich das Geld lieber dem Finanzamt oder meinem Mitarbeiter?
Wenn du jetzt für dich entschieden hast, dass du ein Top-Arbeitgeber werden willst und bereit bist, für deine Mitarbeiter eine betriebliche Altersversorgung zu installieren, dann kann ich dir hier nur einen guten Rat mitgeben: Such dir einen guten Finanzberater, achte auf dein Bauchgefühl und lass dir ein sauberes System installieren. Bestandteil davon sollte mindestens eine anwaltlich geprüfte Versorgungsordnung sein. Der Bereich der betrieblichen Altersvorsorge ist relativ stark reguliert und sollte daher sehr sauber und rechtssicher für den Arbeitgeber aufgestellt werden. Das gelingt unter anderem durch eine ordentliche Versorgungsordnung, klare Prozesse und die richtige Versicherungslösung.
Der vielgerühmte und belächelte Obstkorb ist durchaus eine nette Geste und ebenso wie kostenfreie Getränke, sollte er gewürdigt werden. Aber es sind eben nicht die ausschlaggebenden Argumente um einem Arbeitsplatz treu zu bleiben. Die allgemeine Teamkultur und die Atmosphäre am Arbeitsplatz spielen eine ebenso große Rolle. Und auch hier können wir mit den wirkungsvollen Mitteln der Architekturpsychologie einwirken. Menschliches Verhalten lässt sich durch Raumgestaltung beeinflussen und lenken. Kommunikation fördern oder unterbinden, Interaktion erleichtern oder erschweren und auch Gefühlsstimmungen können bewusst eingesetzt werden um Leistung zu fördern. Dieser Bereich der Raumgestaltung ist komplex und vereint mehrere Faktoren zu einer wohlorchestrierten Reizbalance. Deshalb kann man nicht mit einzelnen Maßnahmen um sich werfen und erwarten, dass sie die gewünschte Wirkung entfalten, wie ein wohlüberlegtes Konzept.
Hierzu zählt unter anderem die Lichtgestaltung, Akustik, das Raumklima aber auch die Farbgestaltung und das Management von visuellem Lärm. Auch die eher soften Prinzipien wie das Bedürfnis nach Aneignung, das vor allem bei “Shared Desk” -Modellen und im New-Work-Kontext oft vergessen wird, stellen einen wertvollen Hebel für eine Optimierung der Arbeitsplatzqualität dar.
Menschliche Bedürfnisse und die Rolle der Angst
Wir haben vielfältige Bedürfnisse und die Bedürfnispyramide nach Maslow ist sicher den meisten ein Begriff. Da in unserer modernen arbeitenden Gesellschaft die Basisbedürfnisse meist erfüllt zu sein scheinen, dreht sich im Arbeitsplatzkontext vieles um das obere drittel dieser Pyramide. Also den Bereich der Selbstverwirklichung und der Individualbedürfnisse (Wünsche, Lebensziele).
Laura Daba:
Wie wir unser Bedürfnis nach Autonomie erfüllen oder die Fähigkeit entwickeln, unsere Wünsche und Ziele zu erreichen, wird uns in der Schule nicht beigebracht. Kurz gesagt: Niemandem wird vermittelt, wie er mit Geld umgehen soll oder was es in dem System, in dem wir leben, zu beachten gibt. In einer allgemeinen Finanzberatung wird man genau zu diesen Themen aufgeklärt. Man schaut sich seinen Ist-Zustand an, bettet diesen in die Bedingungen des Sozialgefüges ein und kann anhand dessen erkennen, wo eigene Risiken und Lücken noch vorhanden sind.
Aber auch die richtige und wichtige Anlage des eigenen Vermögens ist essenziell, um sorgenfreier und entspannter leben zu können. Solche Beratungen können den Mitarbeitern auch in Form eines Gutscheins geschenkt werden, um sie auf ihrem Weg in ein sorgenfreieres Leben zu unterstützen.
Denn ein vielfach übersehener Faktor, der sich im unteren Drittel der Pyramide abspielt wird leider zu wenig beachtet.
Existenzängste zählen aus meiner Sicht und Erfahrung zu den belastendsten Erfahrungen die ein Mensch haben kann. Und da gehört die Arbeitsplatzsicherheit, die Lohnsicherheit und die Gesundheitsvorsorge sowie die Absicherung im Alter auf jeden fall dazu.
Kaum eine Angst, ist so mächtig wenn es um den Einfluss auf unsere Psyche geht. Da sie direkt unseren Überlebensinstinkt triggert mit allen dazu gehörenden Mechanismen. Stressreaktionen werden Alltag und die daraus resultierenden Gesundheitsrisiken werden häufig zu spät erkannt.
Wenn wir Menschen davon befreien oder zumindest weitestgehend dabei begleiten, können wir uns auf ein Phänomen einstellen, das die Leistungsbereitschaft und die Motivation hervorbringt, die sich viele Unternehmer von ihren Mitarbeitenden erwarten.
Komplett lassen sich äußere Faktoren niemals eliminieren aber zumindest können wir durch gute Vorsorge, klare Kommunikation und eine wertschätzende Umgebung dafür sorgen, dass sich Menschen wieder als Teil eines größeren Ganzen sehen können. Und nicht mehr nur ihre Lebenszeit gegen Geld tauschen, dass sie kaum über einen Monat bringt. Oder als seelenlose Nummer und Ressource in irgendeiner Personaldatei.
Wenn Unternehmer begreifen, dass ihre Mitarbeiter ihre wertvollste Investition sind, dann können sich auch kleine Unternehmen künftig durchaus mit den großen messen, wenn es um die Arbeitgeberattraktivität und nachhaltige Beständigkeit geht.
Ich hoffe dieser Artikel hat deinen Blick auf eine Strategie zum nachhaltigen Unternehmenserfolg erweitert und dir brauchbare Impulse geliefert, die du umsetzen kannst.
Haben die Möglichkeiten zur Mitarbeiterbindung durch Finanztools dein Interesse geweckt? Hier kannst du mit Laura Daba direkt in Kontakt treten:
Mein Name ist Laura Daba und ich arbeite seit über sieben Jahren im Finanzbereich. In dieser Zeit habe ich mich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie Menschen finanzielle Entscheidungen treffen, wie sie Geld wahrnehmen und vor allem, wie ihnen der Umgang mit Geld überhaupt beigebracht wurde. Meine Steckenpferde sind heute insbesondere die Mitarbeiterbindung, die Versorgung von Gesellschafter-Geschäftsführern sowie die finanzielle Betreuung von Unternehmen. Dabei ist mir besonders wichtig, Lösungen zu schaffen, von denen beide Seiten profitieren: Mitarbeiter sollen echte Mehrwerte erhalten, die sie spüren und verstehen. Arbeitgeber wiederum sollen Instrumente an die Hand bekommen, mit denen sie ihre Teams unterstützen, langfristig binden und gleichzeitig eigene Vorteile sinnvoll nutzen können. Für mich geht es bei Finanzberatung nicht nur um Produkte, Zahlen oder Verträge. Es geht darum, mehr Klarheit zu schaffen. Denn je besser wir verstehen, wie unser Finanzsystem funktioniert und welche Möglichkeiten wir haben, desto autonomer und selbstständiger können wir über unser Geld entscheiden. Genau diese Klarheit ist aus meiner Sicht die Grundlage dafür, eigene Wünsche und Ziele leichter zu erreichen und finanzielle Entscheidungen bewusster zu treffen. Homepage: https://daba-group.de/
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Bei der Farbgestaltung von Praxisräumen hat sich zu lange der Mythos vom “hygienischen Weiß” gehalten.
Aber warum ist weiß als Farbwahl überhaupt problematisch?
Grundsätzlich gilt zu verstehen, dass Farbe unserem Gehirn hilft, die Welt zu verstehen. Wir orientieren uns in erster Linie visuell und dazu gehört natürlich auch das Farbsehen.
Nun gibt es in der Natur sehr viele unterschiedliche Farbtöne und Schattierungen. Weiß kommt jedoch eher spärlich und nur punktuell vor. Mit einer Ausnahme…. im Winter. Verschneite Landschaften haben ihren Reiz ohne Zweifel und ich bin die letzte, die einen tollen Schneespaziergang nicht zu schätzen wüsste.
Ein großes Problem dabei ist aber häufig die Blendung. Bist du schonmal an einem sonnigen Tag im Schnee unterwegs gewesen? Ohne Sonnenbrille kaum auszuhalten oder? Weiß ist der ultimative Blender unter den Farben. Zudem löst Weiß so gut wie alle Linien auf. Besonders gut lässt sich dieses Phänomen bei einem sogenannten „White-out“ beobachten. Wenn im Winter Schnee und vor allem Wind zusammenkommen und alle Konturen verschwimmen, ist es beinahe unmöglich sich zu orientieren.
Klar in Innenräumen sind wir weit entfernt von diesen extremen Wetterphänomenen. Aber die Problematik bleibt. Weiß lässt Konturen verwischen und entzieht uns zudem wichtige Sinnesreize. Es ist eine deprivative Farbe und das Problem mit der Blendung und somit Verengung der Sehschlitze bleibt bestehen.
Farbe ist mehr als nur dekoratives Stilmittel.
Sie hilft uns Räume geometrisch besser zu erfassen und unsere Umgebung zu verstehen. Sie kann uns auch täuschen und räumliche Illusionen hervorrufen. Deshalb ist es so wichtig sie richtig einzusetzen und als Material zu begreifen, mit dem wir die Architektur unterstützen und gleichzeitig unserem Bedürfnis nach Klarheit und Orientierung nachkommen können.
Wenn wir es dann noch schaffen, uns an der natürlichen Farbpalette zu orientieren, haben wir auch im Hinblick auf das sensorisch optimierte Raumgefühl die beste Entscheidung getroffen. Klar können auch kräftigere Farbtöne ihren Reiz haben und Räume spannender wirken lassen. Hier kommt es aber stark auf die Nutzungsdauer und das Ziel der Gestaltung an.
Inzwischen ist es ja weitgehend bekannt, dass Fastfoodketten ihre Restaurants absichtlich in knallig bunten und kräftigen Farben gestalten um die Gäste möglichst schnell wieder loszuwerden und die Tische maximal häufig besetzen zu können. Komm rein, iss schnell und geh wieder, ist hier die Devise.
In Spa-Bereichen und Wellnesshotels wird konträr dazu auf sehr harmonische Farbgestaltung und eine möglichst natürliche Materialwahl wertgelegt. Hier ist das Ziel natürlich ein ganz anderes. Es soll zum verweilen, entspannen und abschalten einladen.
Bei Gesundheitsbetrieben erleben wir eine komische Parallelwelt.
Hier ist kein Ziel im Sinne der Aufenthaltszeit gegeben, da diese naturgemäß von anderen Faktoren abhängig ist. Der Auslastung, dem Termindruck, der Behandlungszeit und der möglichen Unterbrechungen. Deshalb erfolgte hier lange das Gestaltungsprinzip der Funktionalität und technische Parameter wie Reinigungseigenschaften und Sterilität erhielten Vorrang vor der ästhetischen Gestaltung.
Denn lange wurde diese als reiner Bonus angesehen und nicht wichtig genug empfunden. Menschen sind jedoch sensorische Wesen und unsere Sinneswahrnehmungen stehen im direkten Wechselspiel zu physischen- und psychischen Reaktionsmustern. Weshalb sich inzwischen auch der Zweig der Architekturpsychologie wachsendem Interesse und Anerkennung erfreut.
Hier richtet man sich gezielt nach menschlichen Bedürfnissen. Denn letztlich sind es immer die Menschen, die einen Raum nutzen und wir können uns die Raumwirkung gezielt zu Nutze machen.
So haben wir die Chance gerade in Gesundheitsbetrieben dafür zu sorgen, angstfreie Räume zu gestalten. Die sowohl den Patienten helfen ihre Situation (Schmerz/Angst/ Unsicherheit) besser zu ertragen und auch den Gesundheitsdienstleistern einen Arbeitsplatz zu ermöglichen, der das Wohlbefinden unterstützt.
Keine Logo-Farben in der Raumgestaltung einsetzen!
Übrigens ist davon abzuraten CI Farben, also Logofarben bei der Raumgestaltung zu intensiv einzusetzen. Diese sind nicht für die Raumgestaltung gedacht und 2D Print- und Webmedien wirken bewusst anders als 3dimensionale Räume. Hier wird häufig die Zielsetzung vermischt und die menschlichen Bedürfnisse der unterschiedlichen Anwendungszwecke übersehen. Print- und Webmedien buhlen um die Aufmerksamkeit der Betrachter und sollen sich abheben und neugierig machen. Das schafft man mit kräftigen Farbtönen, unterschiedlich lauten Schriften und Formsprache.
Räume haben andere Aufgaben und deshalb ist die selbe Farbkonstellation hier fehl am Platz. Auch die häufig als Referenz zu rate gezogene “Farbtheorie” sehe ich kritisch. Die Wirkungen, die laut dieser Theorie den einzelnen Farbtönen zugeschrieben wird, sind maximal in einem isolierten Versuchs-Setting möglich. Deshalb bietet auch das keinen wirklich brauchbaren Anhaltspunkt.
Aber wie gehen wir denn jetzt konkret vor, wenn wir feststellen: oha… meine Praxis ist in die Weißfalle getappt.
Zuerst einmal kann man natürlich das naheliegendste tun und neu Streichen. Hier empfiehlt sich ein Farbkonzept aus maximal 3 Tönen die im natürlichen und oder neutralen Farbspektrum zu finden sind. Von Cremetönen über Beige und Greige zu warmen Grau- und hellen Brauntönen. Aber auch natürliche Grün- und Blautöne können angenehm sein.
Wichtig ist, bei der Wahl der Farben auch den gesundheitlichen Aspekt des Materials Farbe zu bedenken. Im klassischen Baumarktsortiment findet der Laienanwender eigentlich nur Dispersionsfarben. Diese haben sich in der Anwendung als leicht zu streichen und schnell deckend erwiesen. Leider haben Sie einen fiesen und nicht zu unterschätzenden Nachteil. Alle diese Dispersionen enthalten Lösemittel, Kunststoffe und sind definitiv nicht Gesundheitsfördernd. Denn die Lösemittel und schnell flüchtigen Verbindungen gasen über einen sehr langen Zeitraum aus.
Leider reicht hier auch ein paar Tage auslüften nicht aus. Und was noch perfider ist, es gibt inzwischen Farbhersteller, die ihre Farben mit dem Zusatz “ohne Aromata” anpreisen. Was nichts anderes bedeutet, als dass der übliche “frisch gestrichen Geruch” ausbleibt. Dieser veranlasst uns aber immerhin zum Lüften der gestrichenen Räume.
Denn das fehlen dieser Aromata heißt keineswegs, dass die Ausdünstungen weniger sind. Wir merken es nur nicht mehr direkt. Sondern oft erst, wenn wir Kopfschmerzen bekommen. Diesen Trend halte ich für ziemlich gefährlich.
Bei Dispersionsfarben kann zudem die fehlende Diffusionsbereitschaft die Schimmelbildung begünstigen und sie beeinträchtigt ein Gebäude bauphysikalisch ungünstig. Man kann sich also merken, die Dispersionsfarbe ist der Gummihandschuh für die Wand. Praktisch aber auf Dauer nicht die gesündeste Option.
Mineralische Farben als gesündere Alternative
Eine deutlich bessere Wahl sind hier mineralische Anstriche. Kalk-Kreide oder Sol-Silikatfarben sind neben der Lehmfarbe eine deutlich gesündere und auch bauphysikalisch klügere Wahl.
Mit einer Einschränkung. Die Verarbeitung dieser Farben (abgesehen von der Kreidefarbe) erfordert meist einen Fachmann, da mineralische Anstriche neben der optimalen Vorbereitung des Untergrundes auch eine spezielle Technik und mindestens 2 Anstriche benötigen um das bestmögliche Ergebnis zu bekommen.
Dennoch ist es aus meiner Sicht den Aufwand wert hier in ein gutes Produkt zu investieren. Denn nicht nur die Räume profitieren von einer schöneren Farbtiefe auch unsere Gesundheit dankt es uns.
Eine weitere Option die Weißfalle abzumildern wäre das Aufbringen von natürlichen Materialien wie Holz. Hier gibt es einige Interessante Optionen, manche davon auch mit akustischer Wirksamkeit. Auch Moos, Filz und Kork haben hier ihren Platz.
Um ein stimmiges Konzept zu erreichen ist es wichtig, sich auf einige wenige Stilmittel zu beschränken und diese in passender Weise zu wiederholen. Das Gestaltungsprinzip des Rhythmus und der Wiederholung sind hier der Garant für ein harmonisches Ergebnis.
Was für eine optimale Gestaltung niemals fehlen darf, ist Licht. Denn ohne das richtige Licht, wirkt keine Farbe der Welt wie sie soll. Aber dazu mehr in der nächsten Episode.
Wenn du nun an einem Punkt stehst, wo du dir denkst ok… hab ich verstanden aber ich hab keinen blassen Schimmer wie ich das umsetzen soll, dann helfe ich dir selbstverständlich mit einem passenden Konzept für deine Praxis weiter. Kontaktiere mich gerne und wir schauen, wie wir zusammen arbeiten können.
Wenn du deine Räume erst einmal überprüfen willst und dir unsicher bist, welche Verbesserungen für deine Praxisräume möglich sind, dann hol dir gerne die Praxis-Checkliste und mache eine Raum-Ananmnese. Den Link dazu findest du hier:
Der Mensch als lebender Organismus steht unablässig in direkter Wechselwirkung zu seiner Umgebung. Das ist ein Umstand dem sich niemand entziehen kann und den wir uns positiv zu Nutze machen können. Aber es gibt auch Faktoren, die uns schaden und unser System negativ beeinflussen.
Wir haben es größtenteils selbst in der Hand womit wir uns umgeben und wie viele dieser schädigenden Einflüsse wir tolerieren. Hierzu zählen sensorische Einflüsse wie Temperatur, visueller sowie auditiver Lärm, Licht, haptische Eigenschaften von Objekten, mit denen wir in Berührung kommen, optische Einflüsse durch Farben und Formen, psychische Einflüsse und physische Einflüsse.
Diese physischen Einflüsse reichen von rein körperlich-anatomischen Einflüssen, durch geeignete oder ungeeignete Ergonomie bis hin zu körperlich-stofflichen Einflüssen durch Umweltgifte und Schadstoffe aus Raumluft und Materialien von denen wir umgeben sind.
Unsere Räume haben Einfluss auf uns, auch physisch
Als Physiotherapeutin, die in der Innenarchitektur tätig ist und zertifizierte Fachplanerin für gesündere Gebäude, weiß ich um die Risiken und Problematiken, die von Schadstoffen ausgehen. Diese reichen von Atemwegs-Reizungen über Kontaktallergien bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen wie Autoimmunerkrankungen, Krebs und Leberzirrhose.
Nun sind natürlich die meisten Baustoffe und Materialien in irgendeiner Form reguliert und überwacht. Jedoch reichen die meisten Siegel und entsprechenden Prüfkriterien nicht aus, um wirklich eine gesündere Umgebung zu schaffen. Viele der Grenzwerte bestätigen lediglich, dass keine unmittelbare Schädigung erfolgt. Jedoch werden häufig die Langzeitfolgen vernachlässigt oder schlicht nicht erhoben.
Fakt ist, dass sich sämtliche Einflüsse auf unser System addieren und somit auch eine unbedenklich scheinende Dosis eines Stoffes, in Kombination mit einem weiteren Faktor dann doch ein erhebliches Schädigungspotential entfalten kann.
Als Beispiel könnte man anführen: Wer an einer vielbefahrenen Straße wohnt und dann auch noch einen Kunststoffboden wie Vinylbelag in der Wohnung hat und die Wände mit Dispersionsfarbe gestrichen sind, der hat eine deutlich erhöhte Schadstoffbelastung. Im Gegensatz zur selben Wohngegend, aber mit einem weniger schädlichen Holzfußboden oder Fliesenboden und mineralischem Wandbelag.
So sind dann alle Faktoren zu berücksichtigen, wenn es um die Beurteilung der Schadstoffmenge, -Anzahl und Verteilung geht.
Möbel und Textilien sind Teil der Problematik
Auch die Möbel und Textilien sowie Alltagsgegenstände haben großen Einfluss auf die Schadstoffbilanz und Belastung unserer unmittelbaren Umgebung. Bei Textilien auf natürliche Fasern zu setzen ist schon ein guter Schritt in Richtung Schadstoffoptimierung. Gewebe wie Leinen, Baumwolle und Schurwolle sind gegenüber Kunstfasern wie Polyester immer im Vorteil. Wichtig sind natürlich auch die Verarbeitungsprozesse, wie Bleich- und Färbeverfahren sowie Performance-Veredelungen und brandhemmende Substanzen. Aber generell ist eine Naturfaser der Kunstfaser immer vorzuziehen.
Kritische Werte in der Raumluft, die von Baustoffen sowie Einrichtungsgegenständen verursacht werden, kann man durch Raumluftmessungen erfassen und so die Ursachen schneller finden und beheben.
Da ein Haushalt aber häufig nicht nur aus den Einrichtungsgegenständen besteht, sondern auch mit Reinigungsmitteln in Berührung kommt, Raumdüfte und andere Chemikalien beherbergt spielt natürlich auch dieser Einfluss eine Rolle.
Nicht nur die Einrichtung enthält Schadstoffe
Deshalb freut es mich sehr, dass die Chemieingenieurin Sarah Reynvaan uns auch einen Einblick in ihre wertvolle Arbeit gewährt und uns die wichtigsten, oft versteckten Schadstoffquellen im Haushalt aufzeigt.
Liebe Sarah, was ist aus deiner Sicht die wichtigste Schadstoffquelle, der man sich im Haushalt bewusst sein sollte?
Aus meiner Sicht ist das ganz klar der Schimmel in seinen verschiedenen Arten und seine Stoffwechselabbauprodukte, die sogenannten Mykotoxine (Pilzgifte). Schimmel wird häufig von den Menschen in seiner schädigenden Wirkung herabgespielt. Das sollte nicht sein. Jeder Schimmel sollte professionell entfernt werden. Mein Appell an alle: Tolerieren Sie keinen Schimmel! Weder beim Biomüll der zu lange in der Küche steht noch im Kühlschrank noch in Badbereichen.
Wie kann man sein Bewusstsein für Schadstoffe schärfen und sich der Einflüsse besser bewusst werden?
Der erste Schritt ist gedanklich zuzulassen, dass es Schadstoffe aus der Umwelt gibt, die uns Menschen in der Leistung und Gesundheit beeinträchtigen können. Der zweite Schritt ist den Willen zu entwickeln zu erkunden welche Stoffe sich in unserem Umfeld befinden. Der dritte die mit dem Verstand durchgeführte Analyse, ob diese Stoffe nun harmlos oder schädlich sind. Im vierten Schritt kann man dann die als schädlich erkannten Stoffe eliminieren und reduzieren und im fünften Schritt Ersatz finden und Alternativen umsetzen.
Schadstoffe und Substanzen gezielt nachweisen ist gar nicht so schwer
Wie kann man diese Schadstoffe und Substanzen denn am einfachsten nachweisen? Gibt es hier auch Tests und Messungen?
Der aller einfachste Nachweis, den jeder durchführen kann, ist über die eigene Sensorik. Wenn irgendwo Dreck liegt, sehen wir das mit unseren Augen. Wenn etwas stinkt oder stark riecht, wie beispielsweise synthetische Düfte ist das ein Indiz dafür, dass der Stoff bedenklich ist oder gar gesundheitsschädigend sein kann. Neben unserer Nase haben wir auch unsere Hände, mit denen wir anfühlen können, ob sich etwas gut anfühlt oder nicht. Doch Vorsicht, die Wahrnehmung ist nicht bei allen Menschen gleich ausgeprägt, nicht immer möglich und falsch positive oder falsch negative Feststellungen sind möglich. Deshalb ist es sinnvoll, Expert*innen zu Rate zu ziehen. Viele Produkte wie Kunststoffe sind gekennzeichnet und geben das Material an, aus dem sie bestehen. Die besten Nachweise sind Messungen von Staub, Wasser und Luft. Wenn jemand gesundheitliche Beschwerden hat rate ich dazu, diese Medien zu testen, um so Rückschlüsse auf vorliegende Schadstoffe im Umfeld zu erhalten.
Welchen Stellenwert haben Schadstoffe im Hinblick auf die Gesunderhaltung? Und was sollte jemand deiner Meinung nach tun, der evtl. schon eine gesundheitliche Vorbelastung beispielsweise in Form einer Autoimmunerkrankung hat?
Ich vertrete die Auffassung, dass viele, wenn nicht jede schwerwiegende gesundheitliche Belastung wie Autoimmunerkrankungen mit durch Umweltschadstoffe verursacht, ausgelöst oder getriggert wird. Teilweise bestehen dazu schon wissenschaftliche Studien, aber die Ursache-Wirkungsbeziehungen von Umweltschadstoff zu Symptomatik stecken, vor allem, was chronische multifaktoriell bedingte Erkrankungen betrifft, noch in den Kinderschuhen. Und weil das eben so ist, dass wir noch nicht genau wissen, wie die vielen Schadstoffe, denen wir tagtäglich in Kombination ausgesetzt sind, auslösen und die individuell auch unterschiedlich wirken können, ist die beste Prävention, das eigene Umfeld so schadstofffrei wie möglich zu gestalten. Das kann und sollte auch jeder tun. Bei Menschen, die mit der Zeit eine chronische Erkrankung entwickelt haben, sollte die Top-Priorität sein, Ursachen und Quellen der Symptomatik, vor allem die im direkten Umfeld, zu finden. Ich habe durch die Elimination der Umweltschadstoffe in meinem Umfeld, Symptomfreiheit von der Autoimmunerkrankung Myasthenia gravis* erreicht und wenn ich das kann, dann können das andere auch. Meiner Auffassung und Erfahrung nach, nicht nur bei dieser Autoimmunerkrankung, sondern auch bei vielen anderen chronischen Symptomatiken.
*Myasthenia gravis: gehört zu einer Gruppe von neurologischen Erkrankungen, die durch eine gestörte Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel gekennzeichnet ist. Es kommt dadurch zu einer hochgradigen Ermüdbarkeit der Muskulatur und belastungsabhängiger Muskelschwäche. (anm. der Redaktion)
Was man über Symptome wissen sollte
Was ist deiner Meinung nach wichtig, was jeder über Schadstoffe und Symptome wissen sollte?
1.Kein Symptom kommt ohne Grund
2.Die Ursache der Symptome liegt oft in Umweltschadstoffen.
3.Es gibt Hoffnung und Erfahrungsberichte, dass die Symptomatik wieder verschwinden kann, wenn die relevanten Umweltschadstoffe eliminiert wurden.
Was kann man kurz- und langfristig tun, um Schadstoffe im Haushalt zu senken?
Kurzfristig: Alles Überflüssige aus dem Haushalt entfernen, Minimalismus leben, Ordnung schaffen, für Sauberkeit sorgen inklusive häufigem Staubsaugen und Lüften, schädliche Substanzen, Stoffe, Materialien, Möbel zu entfernen, einen Haushaltscheck von einer Expert*in durchführen lassen.
Langfristig: Sich mit dem Thema Umweltschadstoffe auseinandersetzen und systematisch Schritt für Schritt die Umweltschadstoffe im Außen und erst dann im Inneren entfernen, reduzieren und eliminieren.
Was empfiehlst du, um die Schadstoffbilanz im Haushalt zu optimieren? Man sollte mit der Analyse der Dinge anfangen, die leicht auszutauschen sind. Das heißt in erster Linie mit Kosmetika, Küchenutensilien und Reinigungsmitteln. Da hilft es sich eine App, wie CodeCheck oder ToxFox herunterzuladen, die angeben, wie bedenklich die Produkte und deren Inhaltsstoffe sind, und im eigenen Haushalt die Haushaltsprodukte auf Schadstoffe zu scannen. Es empfiehlt sich auf Zertifizierungen und Biosiegel zu achten. Je weniger Dinge wir besitzen, desto weniger Schadstoffen sollten wir ausgesetzt sein. Weniger ist mehr. Auf Qualität vor Quantität achten! Das betrifft vor allem die Gegenstände im Haushalt, die mehr Größe, Oberfläche und Masse haben. Das fängt bei den Bausubstanzen wie Böden, Farben und Belägen an und geht über Küchen, Büroausstattung und Möbel bis hin zur Deko. Dabei ist es wichtig, sich Expert*innen wie dich Kathrin zu Rate zu ziehen.
Ein pragmatischer Ansatz für weniger Schadstoffe
Vielen Dank liebe Sarah für deine wertvollen Einsichten in dieses nicht zu unterschätzende Thema.
Zusammenfassend lässt sich nun sagen, dass wir zuerst einmal ein Bewusstsein für Schadstoffe und Umweltschadstoffe entwickeln müssen. Um diese dann effektiv zu eliminieren, bedarf es nicht zwingend große technische Lösungen, sondern einen recht pragmatischen Ansatz. Die Hilfsmittel, wie die eigene Sensorik, Apps, Siegel und Experten und Expertinnen können dabei unterstützen ein schadstoffoptimiertes Umfeld zu schaffen. Ich bin davon überzeugt, dass es in Zukunft immer wichtiger wird, diese Faktoren zu kennen und sich deren Wirkung bewusst zu sein, einerseits um mündige Konsumentscheidungen treffen zu können und andererseits ein besseres Maß an Eigenverantwortung für die eigene Gesunderhaltung zu entwickeln. Nicht zuletzt tragen wir so alle dazu bei, dass unser Umfeld lebenswerter und angenehmer wird.
Schadstoffnachweise und Personalisierte Umweltanalysen von der Expertin: Dipl. -Ing. Sarah Reynvaan
Vielleicht sollten wir mal damit beginnen zu fragen was gesunde Praxis-Räume überhaupt sein sollen bevor wir uns überlegen ob wir das wertvoll finden können.
Gut, zu aller erst steht hier die Erkenntnis, dass unsere Umgebung immer auf uns einwirkt. Das passiert ohne unser zutun und meistens auch unbewusst. Sich diesem Einfluss zu entziehen ist praktisch unmöglich.
Deshalb spielt es natürlich eine Rolle in welcher Umgebung wir uns aufhalten.
Gesunde Praxis-Räume sollen sowohl die Patienten beim Gesund werden unterstützen als auch die Therapeuten und Mitarbeiter bei der Gesunderhaltung unterstützen. Also vereinfacht gesagt: keine schädlichen Einflüsse auf physisches und psychisches Wohlbefinden verursachen.
Gerade im Bereich der Gesundheitseinrichtungen spielen sich hier wahrliche Dramen ab.
Gut ich hör dich schon fast sagen: “Kathrin, chill, so schlimm kann es doch gar nicht sein, wir leben ja alle noch und arbeiten schon seit Jahrzehnten so”.
Okay, da gebe ich dir recht. Gesünder hat uns das aber insgesamt nicht gemacht würde ich mal etwas ketzerisch behaupten.
Wir sehen tagtäglich Gesundheitsdienstleister, die Ihren Job verlassen, weil sie den Anforderungen nicht mehr gewachsen sind oder ihre eigene Gesundheit endlich als Priorität erkennen und dieses Arbeitsumfeld nicht mehr ertragen.
Einen nicht unerheblichen Anteil daran hat die Arbeitsumgebung. Die wichtigsten Faktoren möchte ich im folgenden Benennen.
Menschen sind darauf angewiesen eine Balance zu finden, in der die Stressoren, die im Alltag auf uns treffen wieder neutralisiert werden können. Im besten Fall durch guten Schlaf und ausreichende Erholungsphasen. Aber auch durch dosierte Reize und die Möglichkeit des Rückzugs. Es gibt kaum Berufe, die in einer derart engen Taktung und terminlichem Druck ausgeführt werden wie die im Gesundheitssystem. Das sorgt insgesamt schon für deutlich erhöhte Cortisolspiegel bei fast allen Gesundheitsdienstleistern.
Schauen wir auch auf die Patienten, die zusätzlichen zum medizinischen Personal Praxisräume nutzen müssen, so sollten wir uns klar machen, dass diese Menschen aufgrund ihres Zustandes eine veränderte Reizwahrnehmung haben. Ein Mensch in einer Angst- oder Schmerzsituation ist deutlich sensibler für Einflüsse aus seiner Umgebung. Er nimmt Geräusche, optische Eindrücke, Gerüche und sogar Bewegungen anders wahr als ein Gesunder Mensch.
Treffen diese Faktoren auf die übliche kühle, farblose Praxislandschaft, die oft rein funktionell gestaltet ist, dann löst dies zusätzlichen Stress aus.
Weiß ist eine der schwierigsten Farben für uns Menschen. Sie wirkt deprivativ, was bedeutet, sie entzieht uns jegliche Reize, die wir brauchen um uns zu orientieren und unsere Umwelt zu verstehen.
Farbliche Gestaltung ist ein großer Punkt wenn es um die gesündere Gestaltung von Räumen geht.
In der nächsten Episode gehe ich tiefer auf genau diesen Punkt der “Weißfalle” ein.
Aber Farbe ist nichts ohne Licht. Und hier sind wir beim zweiten großen Thema gesünderer Praxisräume. Eine statische Lichtsituation entspricht nicht unserem Naturell als Menschen.
Da wir nun mal Teil der Natur sind und als solches zumindest Physiologisch gesehen, immer noch Großteils ihren Naturgesetzen folgen, ist der Tageslichtrhythmus sehr tief in uns verankert.
So tief, dass unser Hormonsystem in weiten Teilen auf diese Lichtveränderungen reagiert. Und hier spreche ich nicht nur von der Vitamin D Synthese durch UV Strahlung. Es geht auch um die Synergien von Cortisol und Melatonin. Diese elementaren Hormonkreisläufe können durch falsche Beleuchtung massiv gestört werden. Das kann vielfältige Probleme auslösen um mit Schlafstörungen, Gereiztheit und dauerhaften Stressreaktionen nur ein paar zu nennen.
Kleiner Spoiler, Melatonin-Gummibärchen einzuwerfen löst das Problem nicht. Aber das hast du sicher schon geahnt.
Ein weiterer wichtiger aber gleichwohl unsichtbarer Stressor ist das Raumklima. Und hier geht es um weit mehr als nur Gerüche und Luftaustausch. Auch die Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Schadstoffdichte ist entscheidend. In Praxen ist der Bereich der Keimlast oft noch zusätzlich relevant.
Ebenso unsichtbar aber nicht weniger bedeutsam ist die Akustik. Geräusche können Ängste und Stress auslösen. Auch vermeintlich bekannte Geräusche, deren Quelle wir kennen und verstehen, können unbewusst eine Erhöhung des Cortisol- und Adrenalinspiegels zur Folge haben. Dauerhafte Geräuschpegel sind vor allem für Mitarbeitende in Praxen eine starke Belastung. Sei es ein volles Wartezimmer mit dazugehörenden Gesprächen oder das Summen von Druckern, klingeln von Telefonen und ständiges hin und her von Personen im Eingangs- und Empfangsbereich.
Ein gutes Akustikkonzept bringt hier viel Erleichterung und ist ganz nebenbei auch noch Datenschutzrelevant.
Es gibt noch einige weitere Punkte, aber das waren die aller wichtigsten.
Allgemein lässt sich also zusammenfassen, dass auch in Praxen eine sensorische Optimierung der Räume zur Gesunderhaltung des Personals sowie zur Gesundheitsförderung der Patienten und Klienten beiträgt. Hier können wir uns verschiedener Strategien bedienen. Meine bevorzugten sind das sensorische- sowie das Biophilic-Design. Die Berücksichtigung menschlicher Bedürfnisse sowohl physisch als auch psychisch. Und die Orientierung an den Prinzipien der Schadstoffoptimierten Raumgestaltung.
Wenn du dir jetzt die Frage stellst, wie gut deine Praxisräume in Hinblick auf die genannten Problemstellungen abschneiden, lade ich dich ein dir meine Praxis-Checkliste herunterzuladen.
Den Link stelle ich dir hier zur Verfügung. Diese Checkliste ist kostenlos und bietet dir die Chance deine Praxisräume einmal schonungslos ehrlich zu analysieren.
Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit wenn du bis hierhin dabei warst. Ich freue mich sehr wenn du das nächste mal wieder reinhörst in den Praxiswandel und diesen Podcast mit anderen Gesundheitsdienstleistern teilst.
Warum ich als Physiotherapeutin jetzt Räume gestalte
Um diese Frage zu beantworten möchte ich dir erst etwas über meinen beruflichen Werdegang erzählen. Denn wir befinden uns in einer Zeit, in der wir nicht unbedingt den Beruf, den wir einmal erlernen bis an unser Lebensende ausführen.
Und so ist es auch bei mir. Mit 16 war ich sehr überzeugt davon, dass ich unbedingt Physiotherapeutin sein möchte und bewarb mich an 2 Schulen. So kam es dann, dass ich 2004 im Alter von 17 Jahren die Ausbildung begann und 2007 als eine der jüngsten Therapeutinnen mit gerade einmal 20 mein Staatsexamen in der Tasche hatte.
3 Jahre lang versuchte ich dann als angestellte Therapeutin Fuß zu fassen. Was mir nicht besonders gut gelang. Denn ich bin definitiv keine gute Angestellte im klassischen Sinne. Immer wieder standen meine Arbeitgeber zwischen mir und meinen Ideen und Vorstellungen von guter und sinnvoller Patientenbetreuung und Praxisführung. Deshalb entschloss ich mich nach diesen 3 Jahren endlich selbständig zu werden und die Vorzüge die ein freier Heilberuf mit sich bringt zu nutzen.
Als freiberufliche Therapeutin habe ich dann in den darauffolgenden 5 Jahren viele Praxen sehen und erleben dürfen. Viele tolle Therapeutinnen und Therapeuten kennengelernt und ihre Ansichten und Herangehensweisen an diesen vielfältigen Beruf.
2016 fand eine gewisse Politikerin gefallen daran, uns das Leben schwer zu machen, indem sie uns freiberuflichen Therapeuten kategorische Scheinselbständigkeit unterstellte.
Das veranlasste mich dazu, dem deutschen Gesundheitssystem ein für alle mal den Rücken zu kehren und in der Schweiz einen neuen Anlauf zu nehmen. Als hochspezialisierte Manual-Therapeutin war das auch kein Problem.
Es stellte sich aber immer wieder die Frage, was mache ich mit dem Rest meines beruflichen Lebens, sollte die Physiotherapie (wohlgemerkt das System, keinesfalls der Beruf an sich) mich weiterhin enttäuschen. Und so landete ich bei Berufswunsch Nr.2 aus Teenager-Tagen…. der Innenarchitektur.
Da ich keine 7 Jahre mit Abitur und Vollzeitstudium verbringen konnte und wollte, habe ich mich in 3,5 Jahren mit guten Fernstudiengängen und einigen Praxisprojekten im Quereinstieg in dieses Feld reingearbeitet.
2019 habe ich dann KS-Wohndesign gegründet, anfangs mit dem Ziel komplett weg zu gehen von der Physiotherapie. Nur noch kreativ, nur noch schön, nur noch Räume gestalten.
Doch wie es so ist, stellte ich ganz schnell fest, wenn du einmal medizinisch ausgebildet bist, kannst du die Augen und Ohren nicht verschließen vor dem, was auch in dieser Branche falsch läuft.
So kam ganz schnell die Überschrift “gesunde Wohn- und Arbeitsräume” drüber. Und die Ausrichtung auf gesunde Büros und vor allem das Praxisdesign für Therapeuten und andere Gesundheitsdienstleister.
Denn mir wurde immer wieder bewusst, wie sehr Räume auf uns Menschen wirken. Nicht nur physisch sondern auch psychisch. Und wir uns dieser Wirkung nicht entziehen können. Sie ist wie ein Naturgesetz immer da. Das kann uns jetzt bewusst sein oder nicht, es ändert nichts am Ergebnis.
Und weil ich diesen Umstand als Chance begriffen habe, positive Raumwirkungen zu nutzen um Arbeitsplätze sowohl im allgemeinen aber vor allem im medizinischen Bereich besser zu machen, hörst du nun diesen Podcast.
Um die ganze Sache abzurunden habe ich im Dezember 22 die Zertifizierung zur Fachplanerin für gesündere Gebäude durchlaufen. Hierbei geht es vor allem darum schon bei der Wahl der Baustoffe bessere Entscheidungen zu treffen. Denn Boden, Wand- und Deckenbeläge haben enormen Einfluss auf die Raumluft und unsere Gesundheit.
Im April 2024 hatte ich die großartige Möglichkeit einen 15-seitigen Fachartikel im Wirtschaftsmagazin “UP unternehmen Praxis” von Buchner zu veröffentlichen, der auf reges Interesse gestoßen ist.
Das hat mir gezeigt, dass insbesondere die Therapeuten, sei es in der Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie durchaus beginnen zu verstehen, dass unsere Praxisräume enormen Einfluss auf unseren Therapiealltag haben.
Deshalb freue ich mich so sehr, dass ich insbesondere in den letzten 2 Jahren so viele Therapeuten bei der Gründung neuer Praxen aber auch der Umgestaltung ihrer etablierten Praxen begleiten durfte. Sei es durch meine Praxisberatungen oder ganze Gestaltungskonzepte.
Wenn du den Artikel noch nicht gelesen hast, verlinke ich ihn sehr gerne.
Auch heute arbeite ich noch einige wenige Stunden die Woche in der Physiotherapie. Einfach weil es mir Freude macht und ich vor allem kein theoretischer Fachidiot sein möchte. So habe ich immer noch den Bezug zu den Patienten aber auch den Therapeuten und ihren Bedürfnissen. Und bekomme natürlich auch noch alle aktuellen Thematiken mit, die in der Branche wichtig sind.
Mir liegt etwas daran den Therapeuten einen Weg zu zeigen, wie sie ihren wichtigen und in großen Teilen schönen Beruf angenehmer gestalten können und auch Mitarbeitergewinnung und Bindung zu einer machbaren Aufgabe wird.
Arbeitszeit ist immerhin Lebenszeit und gerade in der derzeitigen Situation entscheiden sich viele Menschen eher für ihr Wohlbefinden und nehmen nicht mehr jede Arbeitssituation in Kauf nur um einen Job zu haben. Das kann man jetzt anprangern, oder man findet konstruktiv einen Weg sich diesen Umstand zu nutze zu machen und die eigene Praxis zu einem attraktiven Ort zu machen, an dem Menschen sich gerne aufhalten. Das kommt letztlich allen zugute und sorgt für ein harmonischeres Arbeitsumfeld.
Somit kann ich sagen, ich gestalte als Physiotherapeutin inzwischen Räume, weil mir die Gesunderhaltung von Menschen wichtig ist und diese aus meiner Sicht schon bei der “artgerechten Haltung” beginnt 😀.
Wenn dich die Themen der Praxisgestaltung ebenso begeistern und interessieren, freue ich mich sehr, wenn du diese Episode mit deinen Mittherapeuten oder anderen Gesundheitsdienstleistern teilst. Natürlich freue ich mich auch besonders über ein Abo für diesen Podcast und wenn du das nächste mal wieder reinhörst.
In Episode 2 bei PraxisWandel werde ich dir einen Einblick geben, warum wir überhaupt Wert auf “gesunde” Praxisräume legen sollten. Bis dahin, mach es gut
Hör´ rein in die allererste Episode des neuen Podcasts Praxiswandel:
Was ist der Podcast Praxiswandel und warum solltest du ihn hören?
Dieser Podcast entsteht aus meinem Wunsch heraus die Praxislandschaft spürbar zu verändern. Als Physiotherapeutin mit über 17 Jahren Praxiserfahrung habe ich schon viel gesehen und erlebt. Gutes, aber natürlich auch fragwürdiges.
Aber allen gemeinsam war immer die Erkenntnis, dass sich Gesundheitsdienstleister zu wenig mit der Wirkung ihrer Praxisräume beschäftigen.
Als ich 2016 entschieden habe, dass das deutsche Gesundheitssystem gerne ohne mich weiter System sein darf und ich in der komfortablen Lage war, beruflich in die Schweiz gehen zu können, hat mich das Thema dennoch nie ganz losgelassen. Auch mit der völlig anderen Sparte der Raumgestaltung, in die ich seit 2017 den Quereinstieg gewagt habe, konnte ich einfach nicht anders und bin immer wieder in den Praxen gelandet.
Mir war klar, dass ich etwas positives bewirken möchte, und diesen Beruf, den ich nach wie vor sehr schätze und mag, wieder attraktiver zu machen.
Denn wenn ich von Fachkräftemangel im Gesundheitswesen lese, dann kann ich mich kaum zurückhalten und möchte laut schreien “vergiss es!! Gibt es nicht! Hier passiert etwas viel schlimmeres!” denn wir haben keinen schlichten Fachkräftemangel. Die Fachkräfte wären da, die haben nur auf gut deutsch keinen Bock mehr oder keine andere Wahl als sich Berufe zu suchen, von denen sie leben können. Wir haben es also nicht mit schnödem Fachkräftemangel zu tun, sondern mit einer Branchenflucht.
Das ist ein großes Problem, denn zusätzlich zum offensichtlichen Personalmangel kommt der nachhaltige Imageschaden für die gesamte Branche. Junge Menschen schauen sich diese Berufe genau an und sehen, was da passiert. Man muss jetzt kein Genie sein um zu verstehen, dass wohl kaum ein Mensch bereit ist, sehenden Auges in diese Misere einzusteigen.
Und wer jetzt glaubt, ausländische Fachkräfte, die teuer angeworben werden, lösen dieses Problem schon irgendwie, hat vergessen zu bedenken, dass auch diese irgendwann in der Realität ankommen und merken, dass sie von dem was diese Berufe bieten, hier nicht leben können.
Das wird die Branchenflucht nicht aufhalten.
Es verlangsamt vielleicht etwas, liest sich bestimmt statistisch auf dem Papier ganz nett, aber wirklich eine nachhaltige Strategie zur Verbesserung der Versorgung ist das nicht.
Deshalb ist es mir wichtig, Praxisinhabern und vor allem auch Praxisgründern zu helfen ihre Betriebe von Anfang an, auf ein gute Basis zu stellen. Mit Räumen, die eine hohe Attraktivität für Patienten aber vor allem auch für die Therapeuten mitbringen.
Denn eines ist ganz klar. Ein Wandel der bisherigen Situation ist unausweichlich und längst überfällig. Wir sehen eine hohe Zahl von Therapeuten, die sich aus der klassischen Regelversorgung zurückziehen, da eine Selbstzahler-Praxis ganz andere Spielräume bietet. Oder zumindest wird ein höherer Anteil Privatpatienten und Selbstzahler angestrebt.
Genau hierfür ist aber auch eine entsprechende, kompetente und moderne Außenwirkung notwendig, denn der hilfesuchende Patient, entscheidet sehr wohl wo er sein hart verdientes Geld hinbringt.
In diesem Podcast möchte ich dir Tipps und Impulse geben, die zum Reflektieren, Hinterfragen und Handeln anregen. Die dir und deinen Praxisräumen einen Schub in eine gute und zukunftsweisende Richtung geben. Und die helfen, dein Unternehmen Praxis auf die künftigen Anforderungen vorzubereiten.
Damit Gesundheitsdienstleister auch in Zukunft noch genug Resilienz und Motivation haben, ihre wertvolle Arbeit zu leisten. Und sie ihre Lebenszeit an würdigen Arbeitsplätzen verbringen können, die sie unterstützen und nicht nur nehmen.
In diesem Sinne würde es mich sehr freuen, wenn du diesen Podcast mit anderen Therapeuten und Gesundheitsdienstleistern teilst, vielleicht sogar ein Abo da lässt und mir somit hilfst, die Praxislandschaft zu wandeln.
Bis zur nächsten Episode von PraxisWandel sage ich tschüss