Willkommen zu einer neuen Episode der Wohnsprechstunde. Heute mit dem Thema “AI ist kein Ersatz für einen Interior Designer”

Bestimmt hast du dich schon mit dem Thema AI und künstliche Intelligenz befasst. Wenn auch nur oberflächlich, sollte dennoch klar sein, dass diese Technologie im Moment noch in den Kinderschuhen steckt. Sie entwickelt sich schnell aber ist sie auch in der Lage einen Interior Designer zu ersetzen?

Solche Aussagen habe ich schon gehört keine Frage. Und zuletzt sogar von ein paar mächtig von sich selbst überzeugten Immobilienmaklern, die der Auffassung waren, dass man auch Home-Staging ganz fix in Minutenschnelle und ein paar klicks mithilfe von AI erledigen kann.

Da musste ich erst mal laut lachen. Kenne ich doch die Ergebnisse, die bildgenerierende AIs aktuell noch abliefern.

Lustige Ergebnisse sind an der Tagesordnung

Klar kommt es hier vorrangig auch auf die Skills des Nutzers an. Der muss der AI ja schließlich den richtigen Auftrag geben. Aber selbst wenn ein Designer, einen ausführlichen und fachlich korrekten Befehl eingibt, kommen doch eher ulkige und zu großen Teilen absolut unbrauchbare Ergebnisse zustande. Im besten Fall entsteht eine abstrakte Idee, die der Inspiration auf die Sprünge hilft. Das ist aber keinesfalls ein umsetzbares Ergebnis für Laien.

Nachdem mein erster Lachflash verklungen war, habe ich mir aber ein paar Fragen gestellt und versuche dir hier einen Einblick in meine Erkenntnisse zu geben.

Zuerst dachte ich darüber nach, wie jemand auf die Idee kommt, dass man erlernte Expertise und Erfahrung mit zwei Klicks und ein paar wohl gewählten Worten ersetzen kann. Da kam ich zu dem Ergebnis, dass viele nicht wissen, was alles dazu gehört um gute Räume zu gestalten. Dass sich das Image vom “bisschen nett dekorieren” als unsere Kernkompetenz doch weiter verbreitet hat, als uns bewusst ist.

Menschen haben kein Bewusstsein für die Wirkung ihrer Umgebung

Und dann wurde mir klar, dass Menschen immernoch zu wenig Bewusstsein für die Wirkung ihrer Umgebung und die Auswirkungen von wirklich schlechtem Design haben.

Eines der größten Probleme, die mir in diesem Zusammenhang aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass AI aktuell nur in der Lage ist, Daten zu kombinieren, mit denen sie gefüttert wurde. Somit bekommt man immer einen relativ unbrauchbaren Zwitter aus bereits existierenden Entwürfen. Was einerseits immer auch die Frage nach dem Urheberrecht aufwirft und andererseits zur Folge hat, dass diese Mischungen sehr unreflektiert kombiniert werden.

Zudem entsteht hier auch immer die Frage nach der Umsetzbarkeit. Und diese ist definitiv nicht gegeben. Einerseits aufgrund teilweise abartiger Farbkombinationen und interessanter Materialwahl…. oder wolltest du nicht schon immer einen Sandstrand als Bodenbelag in deinem Wohnzimmer? Was nicht? Mhhhh ok.

Andere zugegeben recht amüsante Fehlentscheidungen die Ai trifft, waren unter anderem Tische mit nur 3 statt 4 Beinen, die in interessanten Winkeln angebracht waren und Schwerkraft existiert ja im AI-Universe scheinbar eh nicht. Oder eines meiner absoluten Highlights war eine Wandleuchte an einer Glasscheibe. Da hat das clevere Biest, doch auch gleich noch WLAN Strom erfunden. Sapperlott, was für eine Konkurenz, da müssen wir uns echt anschnallen.

Aber Scherz beiseite. Natürlich kann ich als Fachperson solche Bilder mit einem Schmunzeln betrachten und sehe auf den ersten Blick die Mängel. Aber ein Laie kann das häufig nicht und so entsteht bei einigen wirklich der Eindruck, dass Interior Design ja eigentlich ganz easy ist. Dass diese Fehlinterpretation nicht nur lächerlich ist sondern im dümmsten Fall richtig teuer werden kann, möchte ich dir anhand von folgendem Szenario gerne deutlich machen.

Stell dir vor du hast dir in den Kopf gesetzt dein Wohnzimmer oder dein Büro mit Hilfe von AI umzugestalten. Du gibst der bildgenerierenden Ai also den Befehl einen Raum zu kreieren, der deinen Vorstellungen entspricht und machst Angaben zu den notwendigen Bestandteilen, deinen Vorlieben, der Farbwahl, der Raumwirkung usw.

AI kann keine Gedanken lesen

Wie… du hättest gar keine Ahnung, wie du deine Vorstellungen in Worte fassen sollst? Tja das ist natürlich ungünstig denn Gedanken lesen kann die AI noch nicht.

Aber nehmen wie mal an, du bist in der Lage präzise Angaben zu deinem Wohngeschmack, der Ausstattung und der Stilrichtung zu machen. Was du nun erhälst kann ein ganz netter Anfang sein. Eine rohe Idee, entstanden aus bereits existierenden Entwürfen und Konzepten. Eine Reproduktion unreflektierter Datensätze ohne Rücksicht auf eventuelle Problemstellungen.

Gehen wir mal davon aus, dieser Entwurf gefällt dir und du möchtest das gezeigte umsetzen. Da die AI allerdings nicht prüft, welche Materialien und Möbel erhältlich sind, geschweige denn, ob das was sie dir zeigt überhaupt real existiert, hast du nun ganz viel Spaß dabei Stunden um Stunden zu recherchieren wo du das herbekommst. Sollte dieser Aufwand von Erfolg gekrönt sein, stellst du vielleicht fest, dass diese Möbelstücke dein Budget weit übersteigen oder nur sehr umständlich vom anderen Ende der Welt zu beziehen sind. Mit Lieferzeiten, die einem die Haare zu Berge stehen lassen.

Mit einem guten Interior Designer passiert dir das nicht. Wir haben nicht nur deine Bedürfnisse bei der Planung im Hinterkopf sondern achten auch auf die Umsetzbarkeit, deine Budgetvorgaben und prüfen Qualität und Verfügbarkeit der Möbelstücke und Ausstattung. Zudem haben wir als Menschen einen entscheidenden Vorteil gegenüber Maschinen. Die Empathie auch zwischen den Zeilen zu lesen und Bedürfnisse zu erkennen, die im Zweifelsfall gar nicht laut ausgesprochen wurden. Das richtige Verstandenwerden und Gefühl gesehen zu werden, können nämlich so leicht nicht ersetzt werden.

Unreflektierte Kombination bereits bestehender Entwürfe

Auch die Kreativität etwas neues zu erschaffen und neue Ideen zu entwickeln ist eine Fähigkeit, die KI und AI nicht leisten können, da Kreativität viel mit Freiheit und eher wenig mit Rationalität zu tun hat.

Individualität und maßgeschneiderte Entwürfe sind das, was ein echtes Design von einem billigen, zusammengeworfenen Sammelsurium bereits existierender Arbeiten unterscheidet.

Deshalb sehe ich da keine echte Gefahr für menschliches Skillset. Zudem kann AI wenn sie richtig angewendet wird, den Fachbereich echter Experten bereichern und eine Hilfestellung sein. Somit denke ich, werden sich bestimmt die Arbeitsabläufe und Prozesse auch in vielen Designagenturen verändern. Aber die Zeit, die bisher in die Ideen-Entwicklung geflossen ist, wird dann vermutlich durch die Recherche und Nachweispflicht zur Urheberrechstwahrung ersetzt werden. Mit jeder neuen Technologie kommen neue Aufgaben und Herausforderungen und deshalb halte ich diese alte Angst, des “ersetzt werdens” für ziemlich unreflektiert. Survival of the fittest hat nämlich rein gar nichts mit der Fähigkeit zu tun einen Marathon zu laufen.

Unsere Individualität zur Stärke zu machen und auch unsere Wohnräume mit dieser Individualität zu etwas besonderem zu machen, dafür braucht es mehr als nur ein auf Einsen und Nullen basierendes Großhirn.

Ich hoffe ich konnte dir hier einen kleinen Einblick in die aktuelle Thematik in der Interior Design Branche geben. Wenn du auch davon überzeugt bist, dass Wohlbefinden nicht nur auf Daten und Fakten basiert, dann freue ich mich, wenn du diese Episode teilst und den Podcast abonierst.

Ich bedanke mich für deine Aufmerksamkeit und freue mich, wenn du nächstes mal wieder reinhörst, wenn es heißt Wohnsprechstunde.

Wenn du dir also jetzt sicher bist, dass du lieber mit einem menschlichen Interior Designer arbeiten möchtest, der deine Bedürfnisse auch empathisch erfasst, dann kannst du dich gerne hier umsehen:

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